Als wir endlich abgehetzt und nass auf unseren Zugplätzen saßen passierte nichts mehr: Der Zug fuhr nicht los, die Stewardess kam nicht, um Audiculares zu verteilen, das Licht ging übrigens auch nicht. Auch die Züge auf den Nachbargleisen bewegten sich nicht vor oder zurück. Nach 45 min kam eine Durchsage dass es ein Problem mit dem Zugmotor (das komischerweise die beiden Nachbarszüge auch beeinflusste) gab, sodass wir erst einmal nicht losfahren konnten. Nach einer weiteren halben Stunde Rumsitzen kam ein Renfickmann, der etwas von Aussteigen und Bus erzählte, allerdings nur auf Spanisch. Doch kurz danach kam sein Kollege, der uns auf Englisch erklärte, dass wir aussteigen und zu einem Ersatzbus auf dem Bahnhofsvorplatz müssten. Als wir unser Gepäck endlich dorthin verfrachtet hatten, durften wir noch nicht einsteigen, eine weitere Viertelstunde verstrich. Dann begann eine Busfahrt des Grauens: Der Bus war noch enger als der von Faro nach Sevilla, die Luft war schlecht und Stadt über die Autobahn fuhren wir die sich in Serpentinen schlängelnde Nationalstraße entlang. Michael schaffte es irgendwie zu schlafen, Vero langweilte sich, da ihr beim Lesen oder Schreiben schlecht wurde.
Total verspannt kamen wir um 1500 endlich in Granada an. Hier gelang es uns erst nach längerem Suchen, die richtige Bushaltestelle, von der aus wir in die Nähe des Hostels fahren konnten, ausfindig zu machen. Im Oasishostel, das mitten im berühmten, verwinkelten Araberviertel Albayzin lag. Entspannten wir uns jedoch. Die Frau an der Rezeption war Deutsche. Nachdem wir unsere Sachen im 12er-Zimmer abgelegt hatten – leider hatten wir beide die obere Etage eines Stockbetts erwischt, die keine Begrenzung hatte - gingen wir erstmal zum Kebabessen um die Ecke. Ein Mann hier konnte sogar Deutsch, da er sieben Jahre in Deutschland gelebt hatte. Nachdem Michael zwei Kebab und Vero eine Portion Falafel und anschließend arabische Süßigkeiten verdrückt hatten, fühlten wir uns genug gestärkt, um den Bergaufstieg zur Alhambra auf uns zu nehmen, nach großer Anstrengung erfuhren wir, dass es für heute keine Tickets mehr gab, weder das Gesamtticket noch das Ticket ohne den Nasridenpalast.
Frustriert irrten wir vor dem Eingang umher und überlegten. Ob wir einfach versuchen sollten, durch den schlecht bewachten Gruppeneingang einzubrechen. Da wurden wir abermals auf Deutsch angesprochen "Habt ihr auch keine Tickets auch mehr bekommen?" Ein Pärchen aus Essen war ebenso wie wir leer ausgegangen. Wir liefen mit ihnen noch ein Stück die Alhambramauer auf der Suche nach einem Geheimgang entlang, doch ergebnislos. Schließlich beschlossen wir es morgen Früh noch einmal zu versuchen und uns um 0800 noch einmal in die Schlange zu stellen.
Den Rest des Tages spazierten wir durch Granada, das mittlerweile in Michaels Top 3 der von uns besuchten Städte aufgestiegen war, da es hochmoderne LED-Ampeln gab, bei denn der Fussgängerteil sogar einen Countdown hatte.
Außerdem hatte das Hostel keine Schlüssel sondern Chipkarten.
Als Betthupferl wollten wir uns noch ein Eis kaufen, also gingen wir ins nächstgelegene Eiscafé und lasen uns erst einmal die Sorten durch. Vero entschied sich für Chocolate und Jerez, wobei Jerez wie Málaga schmeckte. Michael wollte die Sorte Horchata, doch die Bedienung gab ihm einen Becher mit Horchata-Getränk, da wir falsch auf der Karte geschaut hatten und Horchata keine Eisssorte war. Er kaufte sich aber dann doch noch Jerezeis.
Erstaunlicherweise fiel in der Nacht auch keiner aus seinem Stockbett.
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