Dienstag, 11. September 2007

Valencia / Madrid (12. Tag)

Heute holten wir dne Stadtrundgang nach, den wir gestern nicht mehr geschafft hatten. Unser Eindruck war gemischt. Die Gebaeude waren sehr schoen und renoviert, die Stadt aber eher schmutzig. Zunaechst ging es zum Bahnhof, weil wir noch die Reservierung fuer die Weiterfahrt nach Madrid kaufen mussten. Das dauerte wie erwartet ewig, da die aus Valencia nicht schneller arbeiten als die aus Barcelona.
Weiter ging es zur Stierkampfarena direkt neben dem Bahnhof, die wir uns nur von aussen ansehen wollten. Hier wurden wir von einer Frau angesprochen, die einen Orxata-Stand hatte. Wir hatten keine Ahnung, was das sein sollte. Sie erklaerte uns, dass Orxata keine Hilforganisation, sondern ein fuer Valencia typisches Getraenk sei. Es wird aus gemahlenen Xufas (Tiger Nuts aka. Erdmandeln) und Wasser hergestellt und eiskalt getrunken. Offen fuer alle Arten von Essen und Trinken wie wir sind, kauften wir uns einen Becher zum Probieren. Wir waren total begeistert von der Mischung aus Strunkeinerkarottewennmandasaeussereabknabbert und Erde und Mandeln und der erfrischenden Wirkung auf Koerper und Geist. Obwohl wir wirklich genug Gepaeck hatten, kauften wir ein kleines Saeckchen Xufas am Stand, um zu Hause noch einmal in den Genuss dieses Geschmackserlebnisses zu kommen.

Weiter ging der Weg zu unserem Lieblingskaufhaus Corte Ingles, wo wir wieder stundenlang vom auslaendischen Supermarktangebot in den Bann gezogen wurden.
Unser frisch gekauftes Fruehstueck nahmen wir auf einem schoenen Platz inmitten noch schoenerer Haeuser ein. Weil wir keinen Reisefuehrer dabei hatten, wissen wir leider nicht wie er heisst. Da wir noch Zeit bis zur Zugabfahrt hatten, fuetterten wir die Tauben auf dem Platz mit Schokokeksen in der Hoffnung sie mit Schoki umzubringen, doch das einzige was die bloeden Viecher schafften war sich vollkommen ihre weissen Federn einzusauen.

Auf dem Weg zum Bahnhof trafen wir auch die Huetchenspieler, die Michael in Barcelona vermisst hatte. Er liess also Vero mit dem Gepaeck am Bahnhof und nutzte die letzten Minuten vor der Abfahrt um das Geheimnis des Huetchenspiels zu ergruenden. Als der Huetchenspieler Michael ueberreden wollte, machte dieser nur eine ablehnende Handbewegung, worauf der Huetchenspieler mit "verstanden" antwortete, da er es scheinbar als Warnung vor der Policia verstand. Sie warfen also ihre Utensilien fort und gingen unauffaellig in alle Himmelsrichtungen davon.
Nach der ueblichen CheckIn-Prozedur nahmen wir die Loser-Plaetze im Zug ein: direkt neben der Klotuer, neben einer arabischen Familie mit zwei schreienden Kleinkindern. Und auf einen Film auf Englisch gab es nur fuer fuenf Minuten, dann merkte die Stewardess, dass sie die falsche Sprache gewaehlt hatte und startete den Film auf Spanisch neu. Also versuchten wir so es bei Klogestank und Kindergeschrei ging zu schalfen.

In Madrid kamen wir am beruehmten Bahnhof Atocha (sprich[wie ein Kleinkind]: atot sa), in dem ein Urwald waechst, an.



Den bewunderten wir aber vorerst nicht, sondern gingen direkt zur Metro um zum Hostel zu fahren. Unser erster Eindruck von der madrider Metro war sehr gut. Sie war die Modernste und Uebersichtlichste die wir bisher erlebten. Einziger Nachteil war, dass sie eher auf Steh- als auf Sitzplaetze ausgelegt war.

Als wir an unserer Station ausstiegen, und wieder das Tageslicht erblickten wurden wir erst einmal skeptisch: Die Haeuser waren alle heruntergekommen und zugetaggt, die Strasse voller Muell. Doch wir liessen uns nicht stoeren und liefen optimistisch Richtung Hostel los. Auf dem Weg wurden aber die ersten Eindruecke noch weiter bestaetigt - wir liefen durchs Ghetto. Unsere Erwartung an das Hostel, das wir zunaechst nicht finden konnten, sanken. Als Michael auch noch mit vollem Gepaeck aufm Ruecken Nasenbluten bekam und sich auf einen Platz voller fussballspielender Ghettokinder und klaeffender Koeter niederlassen musste befanden wir uns endgueltig in einem Stimmungstief.

Als wir endlich im Hostel waren ging der Schrecken weiter, es war dreckig, die Kueche war ein Schimmelhaufen, die Stockbetten hingen cosinus-hyperbolicus-foermig herunter und die Dusche war so riesig, dass selbst Vero sich anstrengen musste die widerliche Wand nicht zu beruehren, also beschlossen wir schnellstmoeglich die Flucht zu ergreifen. Mit unseren noch in Valencia gekauften Vorraeten machten wir uns auf den Weg in die Stadt, wobei wir feststellten, dass das vermeintliche Ghetto die Einkaufsmeile war. In den runtergekommenen Haeusern waren zum Beispiel der Miss 60 und der G-Star Laden.

Auf der Suche nach einem geeigneten Platz, auf den wir uns niederlassen konnten, stellten wir fest, dass Madrid eine nicht besonders pennerfreundliche Stadt war. Auf allen Brunnen und Schaufenstern waren Metallzacken angebracht, sodass man sich nicht hinsetzen konnte. Ausserdem fanden wir einen Ben und Jerry's Laden der alle Eissorten als Baellchen verkaufte. Vero beherrschte sich aber, da sie ja noch ihr normales Abendessen vor sich hatte und B&J wurde fuer den naechsten Abend eingeplant.
Auf dem Plaza Mayor fanden wir endlich was wir suchten, einen Ort wo man sich hinsetzen und Leute beobachten konnte. Die Hauptattraktion fuer uns war eine deutsche Kursfahrt neben der wir uns niederliessen. Vero tippte wegen der geringen Maennerquote auf einen Deutsch-LK, Michael war sich nicht mal sicher, ob es ueberhaupt Schueler waren, er tippte aber vorsichts/2 auf einen Spanisch-LK was sich schliesslich als richtig herausstellte. Als wir zu laut ueber die besoffenen Schueler lachten, kam ein eher nuechternes Kursmitglied zu uns und erzaehlte uns, sie seien ein Spanisch-LK aus der Naehe von Koeln und finden(faenden, keine Ahnung was der richtige Konjunktiv ist) Madrid genauso schmutzig wie wir.
Um 0000 brach der Kurs auf. Da somit der Plaza keinen Unterhaltungswert mehr bot, beschlossen wir ebenfalls Heim zu gehen.

Hier entdeckten wir ein auf Michael genormtes Parkhaus: max. Hoehe 1,85m
Wir haben natuerlich sofort ueberprueft ob das stimmt. Messen ist anscheinend eines der wenigen Dinge, die Spanier beherrschen.



Auf den restlichen Heimweg legten wir noch eine Pause ein, weil wir dem Gitarrenspieler, der uns schon mittags in der Metrostation aufgefallen war, begegneten. Wir hoerten ihm noch ca. eine halbe Stunde zu, weil Michael unbedingt warten wollte bis er "Walk don't run" spielte, doch als Vero langsam zum Eisklotz wurde, weil die madrider Nacht doch relativ kuehl war (fuer Frauen) und das Lied immernoch nicht kam brachen wir endgueltig auf ins Hostel, in dem mittlerweile ausser unseren noch zwei weitere Betten des 6er Zimmers belegt waren. Es waren zwei Deutsche, die gerade ins Bett gingen, also legten wir uns auch sofort schlafen. Besonders angenhem war die Nacht Dank durchgelegenen Betten, sich verheddernden Schlafsaecken und Ghettostrassenlaerm durchs geoeffnete Fenster leider nicht.

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