Morgens in Meknes beschlossen wir es mit der Wasserbeschaffung gut sein zu lassen. Erstens hatten wir die Altstadt, die wegen der Müllberge eher abschreckend war schon gestern Abend gesehen. Zweitens gab auch der Reiseführer zu, dass es nicht allzu viel zu sehen gab. Als wir zurückkamen, trafen wir unseren Führer von gestern an einer Kreuzung vor dem Hotel wieder. Er erzählte uns, dass die Schule wieder begonnen hätte und er nicht genug Geld für die Bücher seiner Kinder hatte. Michael gab ihm noch einige GELD dann machten wir uns endgültig auf den weg zum Bahnhof.
Hier hatten wir Pech, die erste Klasse war bereits ausverkauft. Weil wir nicht zwei Stunden auf den nächsten Zug warten wollten, entschieden wir uns, mit der zweiten Klasse vorlieb zu nehmen. Gespannt warteten wir auf den Zug, wir hofften, wenigstens einen Sitzplatz zu bekommen, weil in der zweiten Klasse keine Reservierung möglich war und wir schon öfter voll gestopfte Züge gesehen hatten. Doch zum Glück bewahrheitet sich diese Befürchtung nicht, in einem der 8er-Abteile mit durchgehenden, kunststoffbezogenen Sitzbänken waren noch drei Plätze frei, sodass sich auch Michaels Rucksack setzen konnte.
Schlimm war allerdings, dass die zweite Klasse, wie befürchtet, nur auf dem Papier klimatisiert war, sodass es schrecklich warm und stickig war. Dass Vero auch noch Bauchschmerzen bekam machte die Zugfahrt nicht angenehmer. Doch der schlimmste Teil stand uns noch bevor: Von weitem schon erspähten wir Steinwurfkinder und es gab einen Knall – Treffer! Die Scheibe unseres Abteils bekam auf einmal überall Risse, vorsichtshalber rückten wir alle ein Stück vom Fenster weg, da man bei jedem Ruckeln des Zuges hörte wie das Glas weiter kaputt ging. Schließlich stellte Michael fest, dass nur die äußere Scheibe des doppelt verglasten Fensters betroffen war. Trotzdem standen Leute auf und verließen das Abteil, weil sie Angst hatten. Aber nicht mal die äußere Scheibe verloren wir auf dem Rest der Zugfahrt, da sie offensichtlich aus garnichtmalschlechtem Sicherheitsglas war.
Trotzdem konnten wir uns nicht entspannen, weil die Bahnhöfe nicht durchgesagt wurden, und auch keine Schilder hatten, sodass Vero immer fragen musste um zu erfahren, wo wir uns gerade befanden. So gelang es uns auch in Rabat auszusteigen, allerdings am falschen Bahnhof.
In der Stadt gab es noch weiteren Stress: die Taxifahrer wollten alle 20 GELD, sodass es einige Zeit und einiges Verhandlungsgeschick Michaels kostete bis wir ein günstiges gefunden hatten, das nur 10 GELD wollte. Wir ließen uns zum Hotel fahren, leider hatte der Taxifahrer keine Ahnung wo die Straße sein sollte, und musste erst einen anderen Taxifahrer fragen. Uns schwante Übles, und richtig, fast wären wir am Hotel vorbeigefahren, hätte Michael nicht Stopp gerufen. 50 Meter zu spät kamen wir mitten auf einer Kreuzung zu stehen. Als Michael dem Taxifahrer 10 GELD in die hand drückte wollte der auf einmal 15 GELD. Doch da Michael dem marokkanischen Schlitzohr beibringen wollte zu seinem Wort zu stehen, bekam er nicht mehr Geld und wir ergriffen einfach die Flucht ins Hotel. Weil er doch ziemlich rum geschrieen hat und Vero auch noch Bauchschmerzen hatte, beschlossen wir erstmal im Hotel abzuwarten. Gegen Abend überredete Michael sie, Pizza essen zu gehen, denn wir hatten den ganzen Tag noch nichts zwischen die Zähne bekommen.
Als wir das Hotel verließen warteten weder der Taxifahrer noch seine Brüder auf uns, und es gelang uns auf Anhieb die Pizzeria zu finden, sie machte gerade auf als wir kamen. Die Bestellung war allerdings weniger einfach: Alkohol gab es keinen, obwohl er auf der Karte stand, sodass Michael auf sein Bier verzichten musste; Salami gab es auch nicht, weshalb wir eine Pizza umbestellen mussten. Obwohl Vero sich alle Mühe gab, schaffte sie ihre Portion nicht ganz. Und auch das Pizzabrot musste Michael bis auf ein Stück ganz alleine essen. Nach dem Essen ging es Vero wirklich besser, doch bis wir im Hotel ankamen, hatte sie schon wieder Bauchweh, sodass wir an diesem Abend nichts mehr unternahmen. Wir mussten lediglich noch das Wasser, das wir unterwegs gekauft hatten und den Pizzarest, den wir uns haben mitgeben lassen mit unserer Allzweckkordel in den zweiten Stock hochziehen, weil es verboten war, Essen und Trinken mit ins Hotel zu bringen.
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