Dienstag, 25. September 2007

Fes (27. Tag)

Da das Hotel schon um 1000 Frühstücksende hatte, mussten wir viel zu früh aufstehen. Nach dem Essen ging es los in die Stadt, wo wir einen im Reiseführer angegebenen Rundweg machen und vorher die Karte eines dort empfohlenen Restaurants anschauen wollten, damit wir abends Essen gehen konnten. Vorher wechselten wir Geld an einem Wechselautomaten - wir waren beide überrascht, dass es hier so etwas Fortschrittliches gab.



Das Essen, das uns in besagtem Restaurant angeboten wurde war ziemlich lecker - 300 GELD*Person^-1 müssten wir einrechnen - sodass wir vorsichtshalber nicht reservierten, sondern lieber unseren Rundgang begonnen. Er führte über den Markt, der hier viel beeindruckender war als der in Tanger, da er sich endlos auszudehnen schien.



Auf unserem Weg entdeckte Michael zufällig ein Restaurant, das sogar geöffnet hatte, das Menü sprach uns an: Vier bzw. fünf Gänge für 250 GELD bzw. 300 GELD.

Als ersten Gang gab es marokkanische Salatvariationen, insgesamt acht Teller bekamen wir gebracht. Wir aßen nur unsere Favoriten ganz auf, Michael die geräucherten Auberginen und Vero die Karotten, an denen nicht mit Petersilie gespart wurde, genauso wie bei allen anderen Salaten auch (Rote Beete, Kartoffeln, Zucchini, Weißkohl, Tomate und etwas Undefinierbares).



Als Zwischengang gab es für Michael Linseneintopf, den er sich mit Vero teilte. Dann folgte der erste Hauptgang: Michael bekam Lammkeule mit Reis und einer leckeren, würzigen Sauce; Vero Pastilla, die von außen aussah wie ein mit Zucker und Zimt bestreutes Nachtischgebäck, innen aber mit gewürzten Hähnchen, Gemüse und Mandeln gefüllt war. Die Mischung aus süßem und deftigem Geschmack und der knusprige Teig waren so gut, dass sie diesen Gang aufaß.



Als Hauptgericht hab es schließlich Hähnchenbrust für Michael und Couscous (7 Gemüse und Hähnchen) für Vero. Wir hatten das Gefühl, zu platzen. Doch uns stand noch der Nachtisch bevor: Honigmelone, auf der Zunge zergehende Kekse, Trauben und Tee.

Nach dem Essen rollten wir zurück auf die Strasse um uns den Markt weiter anzusehen.
Als wir die Gemüsegässchen hinter uns gelassen hatten und durch die Klamottenstrasse gingen, wurden wir von einem Tout angesprochen der uns für 10 GELD auf das Dach eines Hauses führte. Wie versprochen hatten wir hier einen Überblick über die gesamte Medina.



Der Mann erklärte Vero auf Französisch einige Gebäude und behauptete kein Führer zu sein, sondern in dem Haus auf dessen Dach wir standen als Weber zu arbeiten. Trotzdem begann er als wir wieder unten waren uns durch die Stadt zu führen – wir wimmelten ihn jedoch mit einem 20 GELD Schein ab und schlenderten weiter über den Bronze- und Goldmarkt. Hierbei verirrten wir uns jedoch vollkommen im undurchschaubaren Gassengewirr der Altstadt. Irgendwie gelangten wir hierbei auf eine größere Straße wo es immerhin eine Apotheke gab. So konnte sich Vero Augentropfen kaufen, da ihr rechtes Auge immer noch rot war. Erst nachdem sie dem Apotheker versprochen hatte am nächsten Tag zum Arzt zu gehen, verkaufte er ihr die Tropfen.

Wir beschlossen uns am Kompass zu orientieren um zurück zum Hotel zu finden, doch es dauerte nicht lange bis wir uns wieder im Gassendurcheinander verliefen, so waren wir froh, dass uns zwei junge Marokkaner gegen eine Packung Zigaretten für 16,50 GELD zum Place de Batha brachten. Der Fußmarsch war ziemlich weit und uns war schleierhaft wie man sich im Wirrwarr aus Sträßchen mühelos zu Recht finden konnte. Nach einer kurzen Pause im Hotel besuchten wir noch einmal den Orangensaftpresser in der Nähe des Internetcafes, dieses Mal wollten wir uns eine ganze 1,5l Flasche füllen lassen. Der Saftpresser schickte uns eine Runde um den Block da etwas länger dauern würde, schätzungsweise 1,5 kg Orangen auszupressen. Wir nutzten die zeit um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Danach war unsere Orangensaftflasche erst halb voll, sodass wir schon mal ins Internetcafe gingen. Vero holte nach 10 min den Saft ab, wobei sie gefragt wurde, ob wir erkältet seien weil wir soviel kauften. Sie antwortete, dass wir einfach den Geschmack gut finden.

Nach einer kurzen Internetsession gingen wir noch einen Tee trinken und dabei Leute beobachten. Vero fand den übersüßten Tee grauenhaft, sodass sie sich aufs Leute beobachten beschränkte. Am meisten unterhaltungswert bot der Marokkaner, dem der Fettgebäckstand gegenüber dem Cafe gehörte. Erst war er unfähig die Glühbirne seines Lädchens richtig in die Fassung zu drehen, sodass sie einen ständigen Wackelkontakt hatte. Dann verschwendete er ewig viel zeit damit einen Tisch, den er sowieso nicht benutzte, so mit Ziegelsteinen abzustützen, dass er nicht mehr wackelte. Doch andererseits hatte er ohnehin nicht viel zutun, da er nicht oft einen seiner fettgetränkten Putzlappen verkaufte. So blieb uns genug zeit außer dem stand die vorbeilaufenden Leute und unzähligen herumstreunenden Katzen zu beobachten. Jetzt am Abend sah man auch viele Leute mit normalen Klamotten, statt mit Säcken. Außerdem fiel uns auf, dass total viele händchenhaltende Männer vorbei liefen. Michael vermutete eine Schwulenbar um die Ecke, Vero glaubte, dass das nichts zu bedeuten hätte.

Als um 0030 der Fettgebäckstand immer noch nicht geschlossen war und uns langsam kalt wurde zahlten wir uns gingen schlafen. Erstaunlicherweise vertrugen unsere Mägen bis jetzt die Salate und das ungeschälte Obst vom Vormittag.

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