Samstag, 29. September 2007

Casablanca / Marrakesh (32. Tag)

Nach einem letzten Frühstück in Casablanca ging es zum etwas außerhalb gelegenen Bahnhof Cassa Voyageurs, wo wir unsere zweitlängste marokkanische Zugfahrt antraten. Unser Abteil teilten wir mit einem Marokkaner im Anzug, der eine arabische Zeitung laß, einer jungen normal gekleideten Frau ohne Kopftuch, die ständig auf den Gang ging um zu telefonieren und anschließend heulend wieder zu kommen – garantiert hatte ihr Freund sie abserviert – und einer älteren Frau in Sack und Kopftuch, die betete als der Schaffner kam. Da wir aber mittlerweile jeden Typus der marokkanischen Gesellschaft kannten, beschäftigte Michael sich sofort mit Schlafen und Vero betrachtete die Landschaft: Wir fuhren durch rote, hügelige Wüste. Einmal hielten wir sogar mitten im Nirwana an, weit und breit waren keine Häuser oder Straßen zu sehen, doch wir waren an einem Bahnhof.

Nach vier Stunden kamen wir ohne Zwischenfälle – in der Wüste gab es nicht einmal Steinwurfkinder – in Marrakesh an. Hier hieß es wieder mal ein Taxi zum Normalpreis zu finden. Doch die Fahrer hier rechneten anscheinend nur mit unerfahrenen Touristen, sie wollten alle 50 Geld für die Fahrt mit dem Petit Taxi. Doch endlich fanden wir ein Grand Taxi, das uns für 20 Geld zur Medina fuhr. Unterwegs erklärte uns der Fahrer auf Französisch, was es links und rechts des Weges zu sehen gab. An einem größeren Platz vor einem Stadttor ließ er uns aussteigen und erklärte uns den Weg zum Hotel. Doch wie wir fast erwartet hatten, befand es sich nicht an der angegebenen Stelle. Zum Glück fand sich schnell jemand der uns für 5 Geld den Weg durchs Gassengewirr zeigte. Wir merkten ihn uns genau schließlich würden wir ihn öfter gehen müssen. Hätten wir in Deutschland gewusst, wie marokkanische Altstädte strukturiert sind, hätten wir es nie gewagt, ein Hotel in der Medina zu reservieren.

Unser Zimmer war winzig – vielleicht war auch nur das Bett zu groß – mit unserem Gepäck darin konnte man noch maximal 10 cm² des Fussbodens sehen. Da hatte man im als Einbauschrank getarnten Bad schon mehr Bewegungsfreiheit.

Trotzdem war das Hotel reizvoll denn es gab eine Dachterrasse, von der aus man den Djemma el Fna sehen konnte.

Ein Nachteil war aber, der Innenhof auf den alle Fenster führten, denn so hörte man jeden Ton aus den anderen Zimmern, sowie den Fernseher an der Rezeption, der ständig lief.


Nach einer kurzen Pause im Hotel beschlossen wir unseren touristischen Pflichten nachzugehen und uns die Stadt anzuschauen. Als erstes ging es zum Djemma el Fna, der voll von Touristen war. In keiner anderen marokkanischen Stadt sind wir sovielen Europaeern begegnet. Das nutzten die Marokkaner aber auch aus: Auf dem ganzen Platz versuchten sie Geld zu scheffeln: Entweder durch den Verkauf von Trockenfruechten - Michael hatte Hunger und kaufte je eine riesige Tuete Datteln und Feigen - oder aber mit Henna Tatoos - alle fuenf Meter wurde Vero von Frauen bedraengt, die ihr am liebsten jeden Quadratzentimeter Haut mit glueckbringenden Blumen oder Ornamenten verziert haetten. Man konnte auf dem Djemma el Fna auch mit Guetern bezahlen wie sich herausstellen sollte. Als wir einer Schlangenbeschwörer zusahen, kam einer der Maenner auf uns zu und gab Vero eine kleine Schlange, die such um den Hals wickeln und streicheln konnte. Michael fotografierte. Anschliessend tauschten wir die Schlange, als es dann auch genug Bilder von der Schlange mit Michael gab, traten wir das Tier wieder an seine Besitzer ab und wollten gehen. Doch das war nicht so einfach, denn die Schlangenbeschwörer wollten Geld von uns. Das verweigerten wir ihnen jedoch, woraufhin sie sich auch mit einem Souvenir von uns zufrieden geben wollten. Zum Beweis, dass wir wirklich nichts herzugeben hatten, leerte Michael sämtliche Hosentaschen: Vom James Bond-Feuerzeug bis zum Euro Nummer Eins war alles dabei. Besonders interessiert waren die Schlangenbeschwörer am Titan-USB-Stick den sie allerdings fuer ein Feuerzeug hielten. Bekommen würden sie den aber auf gar keinen Fall, sodass wir einfach abhauen konnten.



Als naechstes stuerzten wir uns in die engen Marktgaesschen, die uns allerdings nichts Neues boten, da wir mittlerweile genug marokkanische Altstadtmaerkte gesehen hatten. Im Gegenteil, uns verging relativ schnell die Lust, da wir erst einem widerlichen Alten begegneten, der vor allen Leuten in seine Finger schneuzte und die Rotzmenge danach mitten auf die Strasse befoerderte und spaeter von einem Haendler angeschnauzt wurden, weil wir trotz Ramadan bei helllichtem Tage Trockenobst auf der Stasse assen.

Zurueck auf dem Djemma steuerten wir die Dachterasse eines Cafes an, von wo aus wir ueber eine Stunde lang das Geschehen auf dem Platz beobachteten: Die Essensstaende mit den davor aufgebauten Tischen und Baenken, die Orangensaftverlaeufer, die Hennafrauen und die Schlangenbeschwoerer.
Als es langsam daemmerte, gingen wir zurueck zum Hotel.

Wir hatten allerdings Hunger und wollten einen marokkanischen McDonalds ausprobieren. Da wir im Hotel kostenloses Internet hatten, konnten wir mit Hilfe von Google schnell die naechstgelegene Filiale ausmachen. Wir begannen also unseren Fussmarsch entlang einer endloslangen, viel befahrenen Stasse. Doch der Buergersteig war nicht weniger stark frequentiert, hunderte von Marokkanern und Touristen waren hier unterwegs.

Im McDonalds angekommen, bestellten wir uns direkt Burger, die wir noch nicht aus Europa kannten. Nachdem wir satt und ausgeruht waren, liefen wir zurueck zum Djemma, wo sich mit Einbruch der Dunkelheit einiges geaendert hatte: Die Hennafrauen und Schlangenbeschwoerer waren verschwunden, stattdessen war die Luft jetzt erfuellt vom Geruch nach gegrilltem Fleisch, Getrommel und Rauchschwaden: Nachts gehoerte der Djemma den Essensstaenden, Strassenmusikern, Geschichtenerzaehlern und Zauberern. Ausserdem waren jetzt eher Einheimische und weniger Touristen unterwegs. Nach einem Rundgang ueber den naechtlichen Platz kehrten wir ins Hotel zurueck, um nach diesem anstrengenden Tag erst einmal zu schlafen.

Keine Kommentare: