Samstag, 29. September 2007

Casablanca (31. Tag)

Heute wollten wir zuerst den touristischen Höhepunkt Casablancas ansehen: Die große Moschee, die zu irgendeinem Geburtstag Hassans II (der Vorgänger des marokkanischen Königs) errichtet wurde. Entgegen der Warnungen des Reiseführers vor eventuellem Ausrauben gingen wir die große Straße zum Hafen hinunter. Unterwegs fanden wir sogar eine Bank, die allerdings Veros Pfunde nicht wechseln wollte, weil sie keinen Kurs hatten!?!? So hatten wir für den Tag nur eine Hand voll Geld in der Tasche, doch es sollte reichen.

Nach 2-3 km Fußmarsch im gleißend hellen Sonnenlicht kamen wir bei der Moschee an. Sie lag idyllisch direkt neben der Außenmauer des Slums, in dem die Menschen in Wellblechhütten hausten. Vom Atlantik, an dem sie auch lag sah man allerdings weniger. Während Michael begann Fotos zu machen, suchte sich Vero ein schattiges Plätzchen auf dem Vorplatz der Moschee, auf dem jede Menge Schulkinder aber weniger Touristen herumstreunten.

Nachdem die Moschee aus allen Perspektiven auf der Speicherkarte war, saßen wir noch etwas auf dem Vorplatz und unterhielten uns mit einer Gruppe Schuljungen, die uns erklärten dass unsere Kamera eine Kamera und unser Handy ein Handy sei.

Danach beschlossen wir den Eingang ausfindig zu machen, um die Moschee von Innen zu sehen. Hier stand jedoch ein Aufpasser, der uns erklärte, dass erst morgen wieder Besichtigungen angeboten würden. Genervt wollten wir zumindest einen Rundgang außerhalb machen, doch als wir eine breite Treppe hinabstiegen, die anscheinend unter die Moschee führte, wurden wir mal wieder rausgeschmissen.
Jetzt vollkommen schlecht gelaunt traten wir den Rückweg an. Wir vermieden es, durch die Slums zu gehen und machten lieber einen kleinen Umweg um wenigstens etwas zu besichtigen, beschlossen wir in die Altstadt zu gehen. Doch auch hier wurden wir enttäuscht, denn sie war viel kleiner, nicht so verwinkelt und viel stärker nach Fisch stinkend als die Medinas, die wir bisher gesehen hatten.


Auf dem Rückweg zum Hotel aß Michael im McDonalds einen arabischen Billigburger für 18 Geld, der eigentlich nur aus Fladenbrot, Fleisch und einem Salatblatt bestand aber garnichtmalschlecht war. Nach dem Essen legten wir an einem Brunnen eine Pause ein, um die Leute zu beobachten. Wir setzten uns auf den Rand und schauten dem Verkehr und den Schuhputzern, die auf der Einfassung eines Baums neben uns saßen zu. Auf einmal fiel ein Schatten auf uns, als wir erschrocken hochblickten sahen wir einen Penner schwarzer Hautfarbe, der nach Michael trat und uns laut zu lallte. Sofort kamen Marokkaner angerannt, die den Obdachlosen mit einem Rasiermesser und einem Eisenrohr bedrohten und auf Arabisch auf ihn einschimpften. Er entfernte sich einige Meter und wir setzten uns wieder auf unseren Platz von dem wir vor Schreck aufgesprungen waren. Doch nach zwei Minuten kam der schwarzhäutige Riese schon wieder auf uns zu. Die Marokkaner verjagten ihn erneut, schließlich sagte einer von ihnen auf Französisch, wir sollten uns lieber einen anderen Platz zum Sitzen suchen. Wir bedankten uns, standen auf und schlenderten zurück zum Hotel. Gerade angekommen, stürmte auf der Straße ein „angry mob“ Marokkaner vorbei, einen einzelnen verfolgend. Wir stellten uns neben den Portier um das Schauspiel zu beobachten: Gerade wurde der Verfolgte von der Menschenmenge an die Hauswand gepresst. Der Portier meinte, er hätte wohl was gestohlen. Nach einiger Zeit löste sich der Mob wieder auf und wir gingen aufs Zimmer um einen verspäteten Mittagsschlaf einzulegen und Tagebuch zu schreiben.

Als es dunkel war machten wir uns auf den Weg zu dem Restaurant am Leuchtturm, das wir uns schon im Reiseführer ausgesucht hatten. Zunächst konnte der Taxifahrer mit unseren Angaben nichts anfangen, doch schließlich fuhr er uns zur Uferstraße, wo wir einfach Stop schrieen, als wir das Restaurant erspähten. Wir bekamen sogar einen Tisch am Fenster von wo aus man die Wellen direkt unterm Fenster an der Küste brechen und den Leuchtturm sah. Außer dass wir underdressed waren und so das Bild störten war das Restaurant wunderschön. Zu Essen bestellten wir Salate und Pastilla als Vorspeisen und Kalbstajine mit Mandeln und Spieße (Kefta, Filet, Geflügel) als Hauptgericht. Obwohl wir wieder mal knapp vor dem Platzen waren, genehmigten wir uns zum Nachtisch Orangensalat mit Zimt und Obstsalat. Als wir nach unserer Mahlzeit noch da saßen und verdauten, kam die Bedienung und sagte, unser Fahrer sei jetzt da. Wir waren irritiert, hatten wir doch nichts mit unserm Taxifahrer ausgemacht und der eigentlich gar nicht wusste wo wir waren, da er uns nicht direkt am La Fibule abgesetzt hatte. Trotzdem zahlten wir und machten uns auf den Weg zum Ausgang. Hier wurden wir vom Chef höchstpersönlich aufgehalten, der sich vergewisserte, dass es uns geschmeckt hatte und uns erzählte, dass er (wie könnte es auch anders sein) in den 60er Jahren in Deutschland gelebt hatte.

Endlich an der frischen Luft erkannten wir unseren Taxifahrer nicht wieder – er uns auch nicht, es lag ein Missverständnis vor, er wartete auf jemand anderen. Also mussten wir ein Taxi anhalten, was erstaunlich schnell ging, obwohl wir uns total abseits der Stadt befanden. Mit unserer Hilfe fand der Fahrer sogar zum Hotel oder zumindest an die Kreuzung der Straße, in der das Hotel war. Vollgefressen gingen wir ins Bett, denn am nächsten Tag stand uns die letzte Zugfahrt unseres Urlaubs bevor.

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